Vor Mitternacht

Seit dem wir seit 1998 in Frankreich tätig sind geht mir folgende Frage nie aus dem Sinn: Wie kann man in der Gesellschaft sichtbar sein, damit Menschen neugierig werden und sich und uns Fragen stellen. 

Das führt uns manchmal in ganz ungewöhnliche Fahrwasser. So auch jetzt. Seit Anfang September bin ich jeden Freitagabend von 22:00 bis Mitternacht live auf dem Äther in einer regionalen eher jugendlich ausgerichteten Radiosendung. Es geht da um Sexualität und Beziehung. Die Moderatoren sind jung und dynamisch. Live auf Sendung heisst für mich: keine Zeit zum Nachdenken, alles geht sehr schnell und trotzdem soll es, wenn möglich, Tiefgang haben, zum Nachdenken anregen und fachlich fundiert sein. Nicht mehr und nicht weniger. 

Die Sendung ist jetzt mal wöchentlich angesetzt bis Juni 2020. Ich bin eher einer, der früh zu Bett geht, aber da muss ich jetzt mal umsteigen. Für mich ist das eine echte Herausforderung. Da dies eine nichtreligiöse Sendung ist, gibt es da auch keine Tabus, was mir auch keinerlei Probleme macht. In meiner Therapiearbeit habe ich schon vieles gehört. 

Bei den Gesprächen im Vorfeld habe ich auch erwähnt, dass ich gläubig bin. Die Moderatoren wissen das. Hier wäre es mir eine grosse Hilfe mich auf euer Mittragen im Gebet stützen zu können. 

Jede Woche werden zwei Themen gewählt die mit Beziehung und Sex zu tun haben. Mein Teil besteht hauptsächlich darin zu diesen beiden Themen eine 2-3 minütige Chronik zu liefern. Das bedeutet ein Blick von „Fachmann“ mit etwas Abstand. Die 3 Moderatoren geben dann ihren „Senf“ dazu und Hörer rufen an. Auch da kann ich mitreden, Fragen an die Hörer und an die Moderatoren stellen. Ich bin sozusagen für etwas Tiefgang zuständig und es soll aber auch locker und jugendlich leicht sein. Ein Programm was mich schon so manchmal zum schwitzen bringt. 

Hier sehe ich vor allem eine Chance, Mythen, die in unserer Gesellschaft einfach hartnäckig überleben zu hinterfragen. Die Hörer sind unter 30jährige die in einer vom Porno geprägten Gesellschaft gross geworden sind. Sex ist für viele eine Performance. Das schafft Stress, und manchmal eben auch Probleme in den Beziehungen. 

Für mich ist hierbei wichtig vor allem gute Beziehungen zu den Radiomoderatoren aufzubauen. Da ergeben sich immer wieder bei den vorbereitenden kurzen Sitzungen interessante Gespräche.